Australien

Darwin im Norden Australiens wird für uns der Ausgangspunkt unserer knapp achtwöchigen Reise durch den trockensten Kontinent unserer Erde sein. Da Australien nicht gerade für preisgünstiges Reisen bekannt ist, haben wir uns dafür entschieden, für Vermietungsfirmen Wohnmobile etc. zu deren Heimatstation zurückzufahren – genannt Relocation. Eine sehr billige Art und Weise zu reisen. Das bedeutet jedoch, dass wir keinerlei Anhaltspunkte haben, auf welchen Wegen wir Australien bereisen werden. Wir wissen nur, dass Mitte Dezember unser Flug auf die Fidschis ab Sydney geht. Lassen wir uns also überraschen, wir freuen uns drauf!
Aber lest und schaut selbst in unseren Reiseberichten und Fotos, was wir Tolles erleben durften …


Sydney 09.12. - 20.12.2012

In Sydney bekamen wir von Hostelbookers Deutschland das Chiliblue Backpackers gesponsort.

Dieses Hostel liegt in dem hippen Partyviertel Kingscross und bietet somit neben einer sehr guten Verkehrsanbindung mit der Bahn (Haltestelle Kingscross) auch die Möglichkeit, abends in einem der Clubs des Viertels zu feiern. Dies hat sich unter jungen Backpackern rumgesprochen, sodass man hier auf feierfreudiges Volk trifft und somit direkt Leute kennenlernt. Manchmal kann einem die Trinkkultur einiger zu partywilliger, meist englischer Exemplare auf die Nerven gehen, dann kann man sich aber aus dem Aufenthaltsbereich auf sein Zimmer zurückziehen und alles ist gut. Ein weiterer Vorteil bei dem Hostel ist, dass es im Umkreis von 100 Metern erschwingliche und gute Imbisse, Cafes und Restaurants gibt. Wir haben es sehr genossen und haben nie die Küche des Chiliblue genutzt. Die Zimmer sind funktionell und bieten die Basisausstattung, die ein Backpackerherz zufrieden stellt. Jeden Tag wird vom Reinigungsteam auf den Fluren gesaugt und in den sanitären Anlagen gesäubert. Die Duschen sind auf den zweiten Blick dann auch wirklich in Ordnung, um sich den Großstadtdreck vom Leib zu schrubben. Insgesamt eben eine wirkliche Backpackerunterkunft, in der partywillige Leute nach einem Zimmer fragen sollten. Diese werden auf ihre Kosten kommen. Im Eingangsbereich stehen Rechner, an denen man ins Internet kann und im ganzen Hostel gibt es Free-WIFI. Ein dickes Plus in Australien!!!

Und zum Abschluss noch ein Wort zum Personal und vor allem zum netten Manager. Dieser half uns sehr aus unserem Dilemma und bot uns zu einem wirklich sehr fairen Preis das Zimmer an. Zudem hatten wir sehr sehr gute und nette Gespräche mit ihm, in denen wir immer das Gefühl hatten, dass er ein grundauf ehrlicher und netter Mensch ist, zu dem wir mit unseren Backpackerproblemchen kommen konnten. Daumen hoch!!!

Jetzt aber zu unseren Erlebnissen in Sydney ... natürlich wollten wir zuerst was sehen? Die Oper, richtig!

Ab in die Bahn und hin zum Circular Quay. Wir hatten uns eine Wochenkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel gekauft, womit wir sogar bis in die Blue Mountains fahren konnten. Würden wir jedem empfehlen, der auch eine Woche in Sydney ist. Ansonsten mit Tageskarten fahren. Auch das Gehen ist eine wirkliche Option, da die Hauptattraktionen Sydneys alle in einer machbaren Entfernung zueinander liegen. Zurück zur Oper, den Rest könnt ihr ja auch im Reiseführer eures Vertrauens lesen. :-) Wir stiegen aus der Bahn aus und an der Haltestelle Circular Quay kann man wunderbar das Hafenbecken mit der Harbour Bridge links und der Oper rechts überblicken. Wenn da nicht ein riesiger Kreuzfahrtdampfer den Blick auf die Brücke versperren und die Oper im Verhältnis winzig klein aussehen lassen würde. So geschah es uns und wir schauten uns beide erstaunt an. Wir hätten uns die Oper viel größer vorgestellt. Zudem war es bewölkt und somit fiel uns nicht die Kinnlade vor Begeisterung runter. Es war eine Frage der Perspektive, denn an den folgenden Tagen sahen wir die Oper aus den verschiedensten Blickwinkeln und waren schon doch sehr angetan. Immer hatten wir dieses weiße, außergewöhnliche Gebäude auf Fotos oder in Filmen gesehen, jetzt standen wir selber davor ... oder saßen im Cafe Opera und hoben die Tassen auf unser Glück.

Oder wir standen in der Oper und schauten die weltberühmte Ballettaufführung "Schwanensee" ("Swan Lake") zur Musik von Tschaikowski.

Wir hatten uns vorgenommen, wenn es irgendwie erschwinglich sein sollte, irgendeine Vorstellung in der Oper anzuschauen. Als wir dann bei der Dame am Schalter standen, sagte sie uns, dass momentan Swan Lake laufen würde, die Vorstellungen aber alle ausverkauft wären. Sie gab uns aber noch einen tollen Tipp, denn es würden jeden Morgen zehn Stehkarten zum Preis von 33 AUD verkauft. So quälten wir uns also mittwochs um 6 Uhr aus dem Bett, um gegen 7 Uhr vor den noch verschlossenen Türen der Oper zu warten. Wir kamen an der Oper an und freuten uns, dass wir die ersten waren. Blöd nur, dass wir an der falschen Tür standen. Dies bekamen wir erst gute 30 Minuten später raus und so mussten wir uns als Nummer 14 und 15 anstellen. Unser Glück war, dass es an diesem Tag eine Mittags- und eine Abendvorstellung gab. Wir ergatterten also tatsächlich um 9.30 Uhr zwei der begehrten (hinter uns standen noch ca. 50 Personen) Karten, die uns den Zugang zur Vorstellung um 13 Uhr ermöglichten. So fuhren wir noch kurz ins Hostel und warfen uns, da wir nicht in Outdoorklamotten in die Oper wollten, etwas in Schale. Zurück an der Oper gönnten wir uns noch einen Drink im Cafe Opera und genossen die Sonne. Noch mehr als die Sonne strahlten die Mädchen und Damen, die sich teils in unfassbare Geschmacksverirrungen hineingezwängt hatten, um die Wette. Die Wortkette "Schwanensee - Ballett - Mädchentraum - strahlende Kinderaugen" lassen wir ja zu. Wir genossen den Anblick dieser Vorfreude bei den kleinen Damen, die mit Mama oder Oma in die Oper gekommen waren und ihren eigenen Traum erlebten. Klasse! Wir können aber die Wortkette "Schwanensee - Sydney Opera House - schickes Abendkleid - High Heels" nur bedingt gut heißen, denn wir trauten teils unseren Augen nicht. Denn viele Damen und Mädels dachten wohl, sie müssten so schön sein wie ein Schwan und warfen sich deshalb in teils abenteuerliche Kleider. Es gab alles: zu kurz, zu eng, viel zu eng, ganz schrecklich, bunt wie ein Papagei ... die Liste ließe sich beliebig ausweiten. Was aber nahezu alle dieser Teilzeitschwäne vergaßen, Schwäne bewegen sich elegant. Und diese Untergattung der Teilzeitschwäne bewegte sich aufgrund ihres Schuhwerkzeuges derart ungeschickt, dass es weh tat, zuzuschauen. Wir sahen sogar Mädels, die nicht ohne Hilfe Treppen laufen konnten. Wahrscheinlich stellen sich die Männer beim alljährlichen Stöckelschuhlauf auf Teneriffa besser an.

Natürlich liefen auch viele Damen an uns vorbei, wo Tom spontan ein Casting für seine Single-Jungs zuhause veranstaltet hätte. Jungs, ich hätte alles in die Waagschale geworfen und zu hundert Prozent im Dienste einer Männerfreundschaft gehandelt. Höhere Mächte hielten mich ab! Also zurück zu Schwanensee ... und da sahen wir dann die wirklichen Schwäne in einer atemberaubenden Eleganz und Schönheit. Ballett ist nun nicht wirklich unser Ding, aber das war sehr beeindruckend. Tom fand es so beeindruckend, dass er spontan ausrechnete, was man als Schwan verdient. Bei 1600 Besuchern käme man auf 240000 AUD pro Vorstellung. Nach sorgfältigem, mehrmaligem Zählen kam Tom auf 24 Schwäne. Zieht man dann noch ein paar Dollar ab, um die restlichen Darsteller, Musiker etc. zu bezahlen ... ein Schwan hat es nicht schlecht! Und dann ist da ja noch der Hauptdarsteller, ein Prinz. Die Rolle könnte Tom des Namens wegen natürlich direkt übernehmen, aber die engen, weißen Hosen. Tom würde sich wahrscheinlich wie die Teilzeitschwäne bei Felix Magaths gefürchteten Treppenläufen bewegen.

Tom sollte dann aber noch seine Rolle als Bühnedarsteller bekommen, und zwar mit der Straßenkünsterlin Emma. Emma macht Akrobatik, verdient damit auf der Straße ihr Geld, ist wahnsinnig durchtrainiert und so beweglich, wie es Tom nie sein wird. Deshalb war er auch froh, dass er nur als Statist helfen musste, nachdem Emma ihn aus der Zuschauermenge ausgesucht hatte. Zunächst ein bisschen Smalltalk, währenddessen schön veräppelt werden und dann musste Tom als Basis bei einer Zweierfigur herhalten. Emma machte einen Schulterstand auf ihm. Damit nicht genug, denn Emma wollte sich noch in eine transparente Kiste der Größe 50x50x50cm hineinzwängen. Die Kiste war auf einem Gestell in gut zwei Metern Höhe installiert und Tom hielt dieses fest. Für die lustige Vorstellung sammelte Emma dann nachher Geld ein, Tom bekam ein Foto mit ihr. Als Prinz der Schwäne hatte er mehr verdient. Verrückt ist, dass unser Freund Sven aus Köln vor vier Jahren Emma ebenfalls helfen musste.

Was gibt es noch zu berichten aus Sydney? Natürlich die bekannten Gesichter ... wir trafen Tina und Werner, die wir auf Phillip Island kennen gelernt hatten, wieder und feierten Tinas Geburtstag zusammen. Ein sehr netter Abend. Und wir verbrachten ein paar Tage mit Gabriel und Myriam aus Aachen in Sydney. Gabriels neues Iphone war auch dabei, fast immer.

Denn an dem Tag, als wir gemeinsam mit dem Bus zum weltberühmten Bondi-Beach unterwegs waren, wollte das Iphone weiter Bus fahren. Zum Glück fiel das Gabriel ca. 15 Minuten später auf. Unfassbar ruhig klappte er sein Laptop auf und ortete den Ausreißer per GPS. Es fuhr noch Bus und wir konnten dank des Free WIFI an Bondi genau sehen, wo es sich befand. Das Telefonat mit der Busgesellschaft brachte nix und beim zweiten Check stellten wir fest, das Iphone war anscheindend ausgestiegen und versteckte sich in der Wharf Road. Wir entschieden, dass das Iphone etwas verpassen würde, wenn es den spektakulären Coast-Walk nach Congee nicht mitmachen würde, und holten es per Taxi ab. Der Taxifahrer musste den Ernst der Lage erkannt haben, denn er wollte seinen deutschen Fahrgästen zeigen, dass Sebastian Vettel nur seine Rücklichter sehen würde. So standen wir dann in einer sehr vornehmen Gegend, in der vor den tollen Häusern z.B. ein AMG-Mercedes stand. Wahrscheinlich würden die Leute hier das neue Iphone eh nur als Dritthandy benutzen! Gabriel hatte aber viel mehr Glück, denn tatsächlich machte unter der georteten Adresse ein Kindermädchen auf, das auch den ehrlichen Eindruck machte, dass sie das Iphone nicht klauen wollte. Ihr hättet das Grinsen Gabriels sehen sollen. Und wir waren sehr beeindruckt von dem Apple-System, was ein Orten, Sperren etc. erlaubt. Super!

Nach diesem Aufreger wanderten wir dann in Ruhe und Gelassenheit den Coastalwalk von Bondi nach Congee ab. Sehr sehenswert! Abends gönnten wir uns dann bei unserem Stamminder in Kingscross ein leckeres Essen. Wer übrigens nette, kleine Restaurants in Sydney sucht, sollte nach Kingscross kommen. Dort aber bitte nicht auf der "Hauptstraße" suchen, denn dort findet ihr nur partywütiges Volk, schräge Vögel und wiederum tausende Teenagermädels, die Gürtel mit Röcken verwechselt und die die viel zu großen High Heels von Bruce Darnell geklaut haben. Anscheinend ein Trend in Sydney, der sich durch den Alkoholkonsum, nein, man kann es -missbrauch nennen, als wirklich widerwärtig erweist. Geht ein paar Straßen rechts und links ... es wird sich lohnen.

Natürlich machten wir auch einen Tagesausflug in die Blue Mountains, um den berühmten Three Sisters, einer Felsformation, einen Besuch abzustatten. Die drei Schwester wurden durch die Aborigines seiner Zeit Meehni, Wimlah und Gunnedoo genannt. Wie so häufig findet sich dahinter eine der tollen Traumgeschichten, die von den Aborigines überlieferte wurden. Wir schossen die obligatorischen Fotos und flohen dann schnell aus der Touristenmenge 861 Treppenstufen an den Three Sisters hinab ins Tal, um eine kleine Wanderung zu machen. Zum Glück war hier unten nicht viel los und wir konnten das eine oder andere Mal wieder den Vögeln beim Trällern lauschen. Sicherlich kann man hier auch zwei Tage verbringen und verschiedene Wanderungen machen, wir fuhren aber mit dem Zug noch am gleichen Tag nach Sydney zurück. Von einer Tour würden wir abraten, setzt euch in den Zug und macht es auf eigene Faust. So könnt ihr den Massen etwas entgehen.

Die meisten haben ja bereits von Zyklon Evan gehört und wissen auch, dass wir wegen diesem Wirbelsturm unseren Flug auf die Fijis absagen mussten und somit unser Traum von einem Weihnachtsfest am Strand zerplatzt ist. Wir haben eine schöne Alternative in Auckland gefunden ... lest unter Neuseeland weiter.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Weihnachtsfest! Feiert und genießt im Kreise Eurer Liebsten.

LG Vera und Tom